Am 29. November 2023 meldete die Münchner Abendzeitung den Tod von Corinna Genest. Die Schauspielerin sei im Alter von 85 Jahren gestorben, hieß es in der kurzen Notiz, ohne weitere Angaben zur Todesursache. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Rolle als Rechtsanwaltsgehilfin Paula Fink in der Serie „Liebling Kreuzberg“, einer der meistgesehenen deutschen Fernsehproduktionen der späten achtziger Jahre. Wer westdeutsches Fernsehen jener Zeit regelmäßig verfolgt hat, dürfte ihr Gesicht kennen, auch wenn der Name selten hängen blieb.
Inhaltsverzeichnis
Zur Person: Corinna Genest im Überblick
- Geboren: 16. August 1938 in Konstanz
- Gestorben: 22. November 2023 in München
- Beruf: Schauspielerin auf Bühne, im Film und im Fernsehen
- Bekannteste Rolle: Paula Fink in „Liebling Kreuzberg“, 1986 bis 1998
- Ehe: Verheiratet mit dem Schauspieler Karl Schönböck von 1965 bis zu dessen Tod 2001
Wer war Corinna Genest?
Corinna Genest wurde 1938 in Konstanz geboren, als Tochter der Schauspielerin Gudrun Genest. Aufgewachsen ist sie in Köln, ihre schauspielerische Ausbildung erhielt sie in Berlin bei Marlise Ludwig und Elsa Wagner. Von dort führte ihr Weg über Theaterbühnen in Hamburg, Kassel und München, bevor sie ab 1960 auch regelmäßig vor der Kamera stand.
Vom Boulevard-Theater ins Fernsehen
Ihren ersten Ruf erwarb sich Genest an den Boulevard-Theatern, jener Form des Unterhaltungstheaters, die in den sechziger und siebziger Jahren an fast jedem größeren deutschen Haus gespielt wurde. Von dort führte der Weg ins Kino. Zu ihren dokumentierten Kinorollen zählen unter anderem:
- „Immer Ärger mit den Paukern“ (1968)
- „Unser Doktor ist der Beste“ (1969)
- „Wenn du bei mir bist“ (1970)
- „Mensch, ärgere dich nicht“ (1972), unter der Regie von Peter Weck, an der Seite von Georg Thomalla
- „Mama Mia, nur keine Panik“ (1984)
- „Geld oder Leber!“ (1986)
Die Rolle als Paula Fink in „Liebling Kreuzberg“
Bekannt wurde Genest vor allem im Fernsehen. Sie spielte die Mutter Richtig in der Serie „6 Richtige“, war in „Diplomaten küsst man nicht“ als Köchin und spätere Protokollchefin zu sehen und übernahm in der Comedyreihe „Trautes Heim“ die Rolle der Elfriede Patschke. Ab 1996 gehörte sie mehrere Jahre lang als Hannelore Hollwinkel zum Ensemble von „girl friends, Freundschaft mit Herz“. Auch in „Die Schwarzwaldklinik“ und im „Traumschiff“ hatte sie Gastauftritte.
Ihre bekannteste Rolle blieb die der Rechtsanwaltsgehilfin Paula Fink in „Liebling Kreuzberg“ an der Seite von Manfred Krug. Genest spielte diese Figur in insgesamt 42 Folgen, verteilt auf die Jahre 1986 bis 1990 und erneut 1997 und 1998. Die Serie zählte in dieser Zeit zu den erfolgreichsten Produktionen des deutschen Fernsehens.
In ihren späteren Jahren zog sich Genest zugunsten der Theaterarbeit weitgehend aus dem Filmgeschäft zurück. 2004 und 2005 war sie auf Tournee in dem Stück „Genug ist nicht genug“ zu sehen.
Ehe mit Karl Schönböck
Von 1965 bis zu seinem Tod 2001 war Genest mit dem österreichischen Schauspieler Karl Schönböck verheiratet, einer der bekanntesten Figuren des deutschsprachigen Nachkriegskinos. Für Schönböck war es die zweite Ehe, seine erste Frau, die Schauspielerin Herta Saal, war 1964 gestorben.
Genest und Schönböck standen wiederholt gemeinsam auf der Bühne, unter anderem in Noël Cowards Stück „Amouren“ in München sowie in der ZDF-Produktion „Die liebe Familie“. 1994 wirkten beide auch gemeinsam in der Serie „Ihre Exzellenz, die Botschafterin“ mit.
Die Familiengeschichte: Rudolf Diels und die Verbindung zu den Görings
Ein Teil von Genests Herkunft wird in den meisten Kurzbiografien übergangen, obwohl er gut dokumentiert ist. Ihr Vater war Rudolf Diels, der erste Chef der Gestapo, mit dem ihre Mutter Gudrun Genest eine unverheiratete Beziehung hatte. Ihr Stiefvater wurde später der Schauspieler Aribert Wäscher.
Genest kam 1938 zur Welt. Erst fünf Jahre später, im Januar 1943, heiratete Diels Ilse Göring, geborene Burchard. Diese Verbindung wurde maßgeblich von Hermann Göring selbst vorangetrieben. Ilse Göring war zu diesem Zeitpunkt bereits durch ihre erste Ehe mit Karl Ernst Göring, einem Bruder Hermann Görings, mit der Familie verbunden. Diels wurde durch seine zweite Heirat also mit den Görings verschwägert, zu einem Zeitpunkt, an dem Genest bereits fünf Jahre alt war und mit dieser Verbindung selbst nichts zu tun hatte.
Eine öffentliche Äußerung von Corinna Genest zu dieser Herkunft ist nicht bekannt. Ihr eigenes Leben verlief in eine andere Richtung, geprägt von Komödie, Boulevard-Theater und familienfreundlichem Fernsehen.
Eine Karriere ohne eigene Worte
In keinem der verfügbaren Archive findet sich ein Zitat von Genest selbst, kein Interview, keine Stellungnahme zu ihrer eigenen Karriere. Über vierzig Jahre Bühnen- und Fernseharbeit sind ausschließlich durch das dokumentiert, was andere über sie festgehalten haben: Filmografien, Senderarchive, eine kurze Todesmeldung.
Genannt werden dort vor allem die Figuren, die sie gespielt hat: Mutter Richtig, Gundula Schmidt, Paula Fink, Hannelore Hollwinkel. Namen, die über vier Jahrzehnte hinweg regelmäßig auf deutschen Bildschirmen liefen, während der Name dahinter kaum jemandem geläufig war.
Quellen:

