Zwölf Monate nach Beginn des Prozesses am Landgericht Hamburg ist in Dänemark längst eine andere Entscheidung gefallen. Block hat dort seit Mai 2025 das Sorgerecht für ihre beiden jüngsten Kinder verloren, im November 2025 bestätigte das Vestre Landsret in Viborg das Urteil in letzter Instanz. In Hamburg dagegen ist bislang kein Urteil gefallen, die Beweisaufnahme läuft weiter.
Inhaltsverzeichnis
Auf Einen Blick
| Steckbrief | Angaben |
|---|---|
| Name | Christina Block |
| Geboren | 4. Mai 1973 in Hamburg |
| Beruf | Unternehmerin, Mitgesellschafterin der Eugen Block Holding |
| Familie | Tochter von Eugen Block (Block House), vier Kinder mit Ex-Mann Stephan Hensel |
| Partner | Gerhard Delling, ehemaliger Sportschau-Moderator |
| Vorwurf | Beauftragung der Entführung zweier eigener Kinder aus Dänemark |
| Verfahren | Prozess am Landgericht Hamburg läuft, bislang kein Urteil |
Wer ist Christina Block
Bevor der Name für einen Gerichtssaal in Hamburg stand, stand er für Steakhäuser und Hotels. Sie ist die Tochter von Eugen Block, dem Gründer der Kette Block House, und stieg 2011 gemeinsam mit ihren beiden Brüdern als Gesellschafterin in die Eugen Block Holding ein. Nach ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau am Bayerischen Hof in München und Stationen in Paris, Atlanta und Peking eröffnete sie 2001 ihr eigenes Café-Konzept „Prima Pane“ am Alten Fischmarkt.
Heute sitzt sie im Aufsichtsrat der Block-Gruppe, zu der unter anderem das Hamburger Luxushotel Grand Elysée gehört. Über Jahre war sie in der Hamburger Wirtschaft präsent, bekannt über die Gastronomie hinaus wurde sie erst durch den Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann.
Der Sorgerechtsstreit, der nie aufhörte
Die Unternehmerin war von 2005 bis 2018 mit dem Unternehmensberater Stephan Hensel verheiratet, das Paar trennte sich bereits 2014. Vier gemeinsame Kinder gingen aus der Ehe hervor. Hensel zog nach der Trennung ins dänische Gråsten, die Kinder blieben zunächst bei der Mutter in Hamburg.
2021 kippte die Lage. Die älteste Tochter zog im Streit mit der Mutter zum Vater, wenige Wochen später brachte Hensel auch die beiden jüngsten Kinder nach einem Besuchswochenende nicht mehr zurück. Im Oktober 2021 bekam sie vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht vorläufig das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht zugesprochen, einen Beschluss, den Hensel von Dänemark aus ignorierte.
Silvester 2023: die Nacht, um die sich der Prozess dreht
In der Nacht zum 1. Januar 2024 wurden die beiden jüngsten Kinder, damals 10 und 13 Jahre alt, aus dem Haus ihres Vaters in Gråsten geholt. Laut Anklage soll eine israelische Sicherheitsfirma im Auftrag gehandelt haben, die Kinder wurden mit Klebeband geknebelt, die Tochter an den Händen gefesselt. Über einen Fahrzeugwechsel nahe der Grenze ging es mit einem Wohnmobil rund 800 Kilometer nach Baden-Württemberg, wo die Mutter die Kinder übernahm.
Dänische Ermittler erließen am 4. Januar 2024 einen europäischen Haftbefehl. Bereits am 5. Januar entschied das Hanseatische Oberlandesgericht in einer Eilentscheidung zugunsten des Vaters, die Kinder wurden noch am selben Tag nach Dänemark zurückgebracht. Monate später hob die dänische Justiz den Haftbefehl wieder auf.
Der Prozess in Hamburg
Der eigentlich auf 37 Tage angesetzte Prozess begann am 11. Juli 2025. Angeklagt sind neben ihr auch der langjährige Familienanwalt Andreas Costard, ein israelischer Sicherheitsunternehmer sowie vier weitere Personen, darunter ihr Lebensgefährte Gerhard Delling. Die Vorwürfe lauten auf schwere Entziehung Minderjähriger, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und schwere Misshandlung von Schutzbefohlenen.
Die Kammer hat inzwischen rund 100 Verhandlungstage bis Jahresende angesetzt, mehr als 63 wurden bereits gehalten. Im Mai 2026 sagte eine Zeugin aus, die während der Vorbereitung unter dem Decknamen „Olga“ im Grand Elysée gewohnt haben soll, sie widersprach der Angeklagten in einem zentralen Punkt: Diese habe das genaue Datum der geplanten Rückholung gekannt. Auch weitere Aussagen aus dem Verfahren zeichnen kein einheitliches Bild:
- Der Chef der israelischen Sicherheitsfirma sagte aus, er sei ursprünglich nur für die Cybersicherheit im Grand Elysée engagiert worden, der Druck auf ihn sei erst später gewachsen.
- Gegen den Großvater der Kinder, Eugen Block, wurde ebenfalls ermittelt, das Verfahren gegen ihn wurde jedoch eingestellt.
- Ende Juli 2026 soll ein forensisch-jugendpsychiatrisches Gutachten vorgestellt werden, das klären soll, wie stark die Kinder psychisch belastet sind.
Die Angeklagte selbst bestreitet vor Gericht, den Auftrag gegeben zu haben. Sie habe von der Planung nichts gewusst und bezeichnet die Entführung als „Katastrophe“.
Zwei Länder, ein Fall, zwei Antworten
Die dänische Familienjustiz hat mit dem Urteil aus Sønderborg praktisch entschieden, wie sie den Vorwurf bewertet. Vor dem Landgericht Hamburg dagegen ist die Beweisaufnahme noch nicht abgeschlossen, rechtlich gilt die Angeklagte dort bis zu einem möglichen Urteil als unschuldig. Zwischen den beiden Verfahren gibt es keine Berührung, sie laufen unabhängig voneinander.
Sollte es in Hamburg zu einer Verurteilung kommen, ist der Strafrahmen deutlich. Nach Paragraf 235 des Strafgesetzbuchs drohen im Grundtatbestand der Entziehung Minderjähriger bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Wird die Tat gegen Bezahlung eines Dritten begangen oder hat sie die Kinder in die Gefahr einer erheblichen seelischen Schädigung gebracht, wovon die Anklage ausgeht, sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren vor.
Wie es weitergeht
Nach einer mehrwöchigen Pause soll der Prozess Ende Juli mit der Befragung der forensischen Sachverständigen fortgesetzt werden. Im August sind sechs weitere Verhandlungstage für die Hauptermittlerin der Hamburger Polizei reserviert. Ein Urteil ist vor Jahresende 2026 nicht in Sicht.
Häufige Fragen zu Christina Block
Wer ist Christina Block?
Sie ist eine Hamburger Unternehmerin und Mitgesellschafterin der Eugen Block Holding, zu der die Steakhaus-Kette Block House und das Hotel Grand Elysée gehören. Bekannt wurde sie über die Gastronomie hinaus durch den öffentlich ausgetragenen Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel.
Was wird Christina Block vorgeworfen?
Ihr wird vorgeworfen, die Entführung zweier ihrer vier Kinder aus dem dänischen Wohnort ihres Ex-Mannes an Silvester 2023 in Auftrag gegeben zu haben. Sie bestreitet die Vorwürfe vor dem Landgericht Hamburg, der Prozess läuft seit Juli 2025.
Ist Christina Block bereits verurteilt worden?
Strafrechtlich nicht, der Prozess in Hamburg war Stand Juli 2026 noch nicht abgeschlossen. In Dänemark hat sie dagegen in einem separaten familienrechtlichen Verfahren bereits das Sorge- und Umgangsrecht für zwei ihrer Kinder verloren, dieses Urteil ist rechtskräftig.
Wo lebt Christina Block heute?
Sie lebt in Hamburg, wo auch ihre jüngste Tochter Greta bei ihr wohnt. Die drei anderen Kinder leben beim Vater in Dänemark.
An diesem 11. Juli 2026 ist damit eingetreten, was zu Prozessbeginn kaum jemand erwartet hatte: deutlich mehr Verhandlungstage als ursprünglich für das gesamte Verfahren geplant waren, und noch immer kein Urteil.
Quellen: Abendzeitung München, beck-aktuell, t-online, Strafgesetzbuch § 235

