Monika Verhoeven: Bildhauerin aus Graz mit Ehrenkreuz

Eine Aktzeichnung mit den Initialen MV, datiert 1997, taucht heute in einem Wiener Auktionskatalog auf. Dahinter steht eine Bildhauerin, die zu diesem Zeitpunkt bereits über ein Jahrzehnt mit Bronze arbeitete. Ihr Name: Monika Verhoeven, geboren 1941 in Graz, seit Jahrzehnten in Wien tätig.

Ihr Weg zur Bildhauerei verlief nicht geradlinig. Sie begann in einem völlig anderen Fach und wechselte erst mit über vierzig Jahren zur Skulptur. Dieser späte Wechsel prägt bis heute ihr gesamtes Werk.



Ausbildung und Wechsel zur Bildhauerei

Zwischen 1962 und 1968 studierte Verhoeven an der Akademie für angewandte Kunst in Wien, der heutigen Universität für angewandte Kunst. Ihr Fach war dekorative Gestaltung und Textilkunst, ihre Lehrerin Margarethe Rader-Soulek. Für ihr Diplom erhielt sie 1968 einen Preis des Bundesministeriums für Unterricht.

Erst 1985 begann sie mit der bildhauerischen Arbeit, fast zwei Jahrzehnte nach ihrem Abschluss. Aus dieser zweiten Karriere entstanden die Bronzefiguren und Aktzeichnungen, für die sie heute bekannt ist. Zwischen 1991 und 1996 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des Wiener Kunstvereins Figur.

Die wichtigsten Stationen im Überblick:

  • 1962 bis 1968: Studium an der Akademie für angewandte Kunst Wien
  • 1968: Diplom mit Auszeichnung des Bundesministeriums für Unterricht
  • 1985: Beginn der bildhauerischen Arbeit
  • 1991 bis 1996: Gründungsmitglied des Wiener Kunstvereins Figur
  • Ab 2000: Lehrauftrag für Bildhauerei an der Universität für angewandte Kunst Wien
  • 2002: Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst

Lehrtätigkeit und Einfluss auf jüngere Bildhauer

An der Universität für angewandte Kunst Wien unterrichtete sie ab dem Jahr 2000 Bildhauerei, unter anderem den Bildhauer Reinhard Lettl. Er beschreibt auf seiner eigenen Webseite, dass sein Ausbildungsweg 2007 bei ihr begann, gemeinsam mit der Bildhauerin Gerda Fassel, der Nachfolgerin von Alfred Hrdlicka an derselben Universität. Aus dieser Zeit entwickelte sich nach seinen Angaben eine langjährige Freundschaft.

Verhoeven blieb auch über die Universität hinaus Teil dieses kollegialen Umfelds. Bei einer Ausstellungseröffnung Gerda Fassels in Wiener Neustadt im Juli 2019 wurde sie als anwesende Kollegin namentlich genannt, wie das Regionalmedium meinbezirk.at damals berichtete.

Herkunft aus der Familie Verhoeven

Verhoeven stammt aus einer Familie, die im deutschsprachigen Theater und Film über Jahrzehnte präsent war. Ihr Vater war der Schauspieler und Regisseur Paul Verhoeven, ihre Mutter die Schauspielerin Doris Kiesow. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: die Schauspielerin Lis Verhoeven, der Filmregisseur Michael Verhoeven und Monika Verhoeven.

Die deutsche Wikipedia-Seite zu Paul Verhoeven bestätigt diese drei Kinder, geht auf den weiteren Werdegang der Tochter Monika aber nicht ein. Auch die Dokumentation „Die Verhoevens“ aus dem Jahr 2003, die drei Generationen der Familie porträtiert, konzentriert sich auf Paul, Michael und dessen Söhne. Ihre spätere Karriere als Bildhauerin wird in diesen Quellen nicht erwähnt.

Wo ihre Werke heute vertreten sind

Verhoevens Arbeiten werden unter anderem vom Kunsthandel Widder in Wien sowie von der Galerie Salon Modena Art im dritten Wiener Gemeindebezirk gehandelt. Kunsthandel Widder ist auf österreichische und deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts spezialisiert, mit einem Schwerpunkt auf der Zwischenkriegszeit, der klassischen Moderne und Exilkunst. In diesem Umfeld wird auch ihr Werk gehandelt.

Bei Widder Auktionen wurden mehrere ihrer Aktzeichnungen aus den 1990er Jahren versteigert, liegende weibliche Akte in Bleistift und Kugelschreiber, jeweils auf der Rückseite mit dem Monogramm MV und dem Entstehungsjahr signiert. Zusätzlich ist sie bei der französischen Verwertungsgesellschaft ADAGP als bildende Künstlerin registriert, frühere Unterlagen nennen zudem die britische Verwertungsgesellschaft DACS.

Eine ihrer Bronzefiguren, eine kleine Schwimmerfigur, wurde vom österreichischen Schriftsteller Julian Schutting in einem literarischen Text aufgegriffen, veröffentlicht auf ihrer eigenen Webseite. Schutting beschreibt die Figur im Bild von Kriegsgefahr und Schutzlosigkeit, so als müsste sie Bombenangriffen und Kugelhagel standhalten. Diese Verbindung zwischen einer einzelnen Skulptur und einem literarischen Text von Schutting ist auf ihrer Webseite eigens dokumentiert.

Häufig gestellte Fragen zu Monika Verhoeven

Wer ist Monika Verhoeven?

Eine österreichische Bildhauerin, geboren 1941 in Graz, bekannt für Bronzefiguren und Aktzeichnungen.

Wo hat Monika Verhoeven studiert?

An der Akademie für angewandte Kunst Wien, mit Diplom im Jahr 1968.

Ist Monika Verhoeven mit Michael Verhoeven verwandt?

Nachschlagewerke zur Familie Verhoeven nennen sie als eines von drei Kindern von Paul Verhoeven und Doris Kiesow, neben Lis und Michael Verhoeven. Ihr künstlerischer Werdegang wird in diesen Quellen nicht behandelt.

Welche Auszeichnung erhielt Monika Verhoeven?

2002 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.

Wo sind die Werke von Monika Verhoeven heute zu sehen?

Unter anderem beim Kunsthandel Widder und bei der Galerie Salon Modena Art in Wien.

Marco Koehler
Marco Koehlerhttps://newzire.de/
Ich bin Marco Koehler, Journalist aus Berlin und Gründer von Newzire. Mein Handwerk habe ich in den Redaktionen mehrerer lokaler und regionaler Verlage gelernt, wo ich rund acht Jahre lang in nahezu jedem Ressort gearbeitet habe, von Kommunalpolitik und Gerichtsberichten über Wirtschaft und Sport bis zu Reportagen über bekannte Persönlichkeiten. Bei Newzire setze ich diese Bandbreite fort: Politik und Wirtschaft, Sport und Tagesaktuelles aus Deutschland und der Welt, dazu Society und Boulevard, Lifestyle, Kultur und die gesellschaftlichen Debatten, die das Land gerade beschäftigen. Die Seite ist am 14. Mai 2026 online gegangen. Ich verantworte sie als Chefredakteur und Hauptautor, unterstützt von einem festen Team aus Redakteurinnen, Redakteuren und Rechercheuren, die Quellen prüfen und Fakten gegenlesen, bevor ein Beitrag erscheint. Mein Grundsatz beim Schreiben ist über die Jahre der gleiche geblieben: erst die Quelle, dann die Geschichte.

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