Andreas Hitzlsperger: Bruder von Thomas und Schiedsrichter

Andreas Hitzlsperger, Bruder des früheren Nationalspielers Thomas Hitzlsperger, hörte im November 2012 nach 20 Jahren als Schiedsrichter in den Münchner Amateurklassen auf. Der Abendzeitung sagte er, ein Spieler habe ihm einmal gedroht, ihn abzustechen und sein Haus anzuzünden. Dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV) warf er vor, Zahlen herunterzuspielen. Der Verband ließ das nicht gelten.



Kurzprofil

MerkmalAngabeQuelle
Alter39 Jahre im November 2012Abendzeitung
HerkunftForstinning, Landkreis EbersbergEbersberger Zeitung, 2012
TätigkeitSchiedsrichter in der Schiedsrichtergruppe DachauAbendzeitung

Die Familie in Forstinning

Forstinning liegt im Landkreis Ebersberg bei München. Hier wuchs Thomas Hitzlsperger nach Angaben von FM4 des ORF als jüngstes von sieben Geschwistern auf dem Bauernhof der Eltern auf. Mit 17 spielte er in der Jugend des FC Bayern München. Weil er das jüngste Kind ist, sind alle seine Geschwister älter, auch Andreas. Andreas leitete Spiele im Amateurfußball, Thomas wurde Profi und Nationalspieler.

Was Hitzlsperger der Abendzeitung im November 2012 sagte

Die Abendzeitung berichtete am 23. November 2012 von sechs Abgängen innerhalb einer Woche bei Münchner Schiedsrichtern. Hitzlsperger hörte nach 20 Jahren auf, auch sein Chef Jürgen Schreier, Obmann der Dachauer Schiedsrichtergruppe, wollte nicht mehr weitermachen.

Vor seiner Tür habe einmal ein Mann gestanden, erzählte Hitzlsperger. Seit Jahren sammelte er Spielberichte, mehrere hundert lagen bei ihm zu Hause.

„Seit September ist es aber wirklich eskaliert“, sagte Hitzlsperger.

Allein in München habe es seitdem acht brutale Attacken gegeben. Anfang Oktober hatten Spieler in Rosenheim einen Schiedsrichter fast blind geschlagen, und ein Trainer des SV Weichs kündigte nach einem Gewaltspiel am 10. Oktober seinen Rücktritt an. Dem Verband warf Hitzlsperger vor, die Zahlen herunterzuspielen. Vor den Wahlen 2014 wolle sich niemand nachsagen lassen, den Laden nicht im Griff zu haben.

Acht Attacken, zwölf Abbrüche

Hitzlsperger und der Verband nannten Zahlen, die sich schwer vergleichen lassen. Er zählte Angriffe auf Schiedsrichter, der Verband Abbrüche, die ein Sportgericht bestätigt hatte:

HitzlspergerBayerischer Fußball-Verband
Gezählt wirdAttacken auf SchiedsrichterVon Sportgerichten abgeurteilte, berechtigte Spielabbrüche wegen Gewalt oder Tätlichkeiten
ZahlAcht brutale AttackenZwölf Abbrüche
ZeitraumSeit September 20122012 bis zum Zeitpunkt des Gesprächs
GebietMünchenKreis München
AussageDie Gewalt nehme zuVon 15.000 Spielen pro Wochenende in Bayern verlaufe die überragende Mehrheit friedlich

BFV-Sprecher Thomas Müther hielt dagegen. Harte Strafen allein könnten das Problem nicht lösen, sagte er, und die Sportgerichte könnten bis zum Ausschluss einzelner Spieler oder Vereine gehen, das reiche aus. Der Verband setze auf die Schiedsrichteraktion „Gemeinsam und Fair“, eine Kampagne gegen Rassismus und die Aktion „Keine Gewalt im Jugendbereich“.

Beim BLSV und beim VfB Forstinning aktiv

Die BFV-Sozialstiftung nannte ihn im Dezember 2015 stellvertretenden Kreisvorsitzenden des Bayerischen Landes-Sportverbands (BLSV). Die Ebersberger Zeitung hatte ihn 2012 als zweiten Vorsitzenden im BLSV-Kreis geführt. Er reiste mit Vertretern des VfB Forstinning und dem dritten Bürgermeister von Markt Schwaben, Joachim Weikel, zu einer Aktion, bei der Menschen neue Fußballschuhe erhielten. Der Verein hatte Kontakt zum Markt Schwabener Helferkreis aufgenommen und einen Fahrdienst zwischen Forstinning und Markt Schwaben eingerichtet.

Zu seinem Beruf und seinem Privatleben liegen keine belegten Angaben vor. Die jüngste Angabe zu seinen Ämtern stammt aus dem Dezember 2015.

Wie Gewalt auf Amateurplätzen heute gezählt wird

Seit der Saison 2014/15 lässt der DFB jährlich die Spielberichte der Schiedsrichter auswerten. Für die Saison 2025/26 veröffentlichte er das Ergebnis am 11. September 2026 im Lagebild Amateurfußball. Ausgewertet wurden rund 1,28 Millionen abgeschlossene Spielberichte. Der DFB weist zwei Größen getrennt aus, die an den Streit von 2012 erinnern:

Größe in der Saison 2025/26ZahlAnteil
Spiele mit gemeldetem Gewalt- oder Diskriminierungsvorfall5.4500,42 Prozent
Spielabbrüche842 (Vorsaison: 825)0,07 Prozent

DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann nannte den leichten Anstieg bei den Abbrüchen einen Grund, die Präventionsarbeit zu verstärken. Kritik an der Erhebung kam von der Kriminologin Thaya Vester von der Universität Tübingen. Sie hielt die DFB-Zahlen im September 2025 gegenüber sportschau.de für zu ungenau, um das Gesamtaufkommen der Gewalt zu messen. Der DFB selbst korrigierte für 2024/25 rückwirkend Fehler in der Datenauswertung. Ein grundsätzlich anderes Bild ergibt sich daraus nach seinen Angaben nicht.

In der Kreisliga B Gelsenkirchen startete im September 2026 ein Pilotprojekt von DFB, FIFA und dem Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen. Die Schiedsrichter tragen dort Bodycams, die erst speichern, wenn die Spielleitung die Aufnahme aktiviert. Im Bereitschaftsmodus überschreibt die Kamera fortlaufend die letzten 30 Sekunden.

Marco Koehler
Marco Koehlerhttps://newzire.de/
Ich bin Marco Koehler, Journalist aus Berlin und Gründer von Newzire. Mein Handwerk habe ich in den Redaktionen mehrerer lokaler und regionaler Verlage gelernt, wo ich rund acht Jahre lang in nahezu jedem Ressort gearbeitet habe, von Kommunalpolitik und Gerichtsberichten über Wirtschaft und Sport bis zu Reportagen über bekannte Persönlichkeiten. Bei Newzire setze ich diese Bandbreite fort: Politik und Wirtschaft, Sport und Tagesaktuelles aus Deutschland und der Welt, dazu Society und Boulevard, Lifestyle, Kultur und die gesellschaftlichen Debatten, die das Land gerade beschäftigen. Die Seite ist am 14. Mai 2026 online gegangen. Ich verantworte sie als Chefredakteur und Hauptautor, unterstützt von einem festen Team aus Redakteurinnen, Redakteuren und Rechercheuren, die Quellen prüfen und Fakten gegenlesen, bevor ein Beitrag erscheint. Mein Grundsatz beim Schreiben ist über die Jahre der gleiche geblieben: erst die Quelle, dann die Geschichte.

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