Kay Bockhold hat drei Studiengänge begonnen, Wirtschaftswissenschaften, Sozialpädagogik und Baubiologie im Fernstudium, und keinen davon abgeschlossen. In der Potsdamer Innenstadt steht trotzdem ein Barockgebäude aus dem Jahr 1738, das er mit verurteilten Jugendlichen in fünf Jahren aus einer Ruine wiederherstellte. In den Medien taucht er fast ausschließlich als Manager und Lebensgefährte von Nadja Uhl auf.
Inhaltsverzeichnis
Herkunft und Hintergrund
Kay Patrick Bockhold wurde um 1967 oder 1968 in Potsdam geboren und ist dort geblieben.
Seine Ausbildung folgte keiner geraden Linie. Er studierte Wirtschaftswissenschaften, wechselte dann zu Sozialpädagogik und begann später ein Fernstudium in Baubiologie. In einem Berliner-Zeitung-Interview von 2006 nannte er zwei Themen, die ihn dauerhaft beschäftigen: neue sozialpädagogische Ansätze und gebrauchte sowie biologische Baustoffe.
Das Varieté Walhalla: Restaurierung mit straffälligen Jugendlichen
Um das Jahr 2000 übernahm Bockholds Verein, die Maulwurf gGmbH, das Gebäude in der Dortustraße 5 in Potsdam für 430.000 Euro zuzüglich Planungskosten. Das Gebäude war eine Totalruine.
Es wurde 1738 erbaut. 1910 gründeten Hermann und Auguste Rosenberger dort das Varieté Walhalla, das in den 1920er Jahren Charlie Chaplin und Enrico Caruso auf der Bühne erlebte. 1935 schloss es. In der DDR diente das Gebäude als Lagerstätte und verfiel über Jahrzehnte.
Ab März 2001 arbeitete Bockhold mit rund 40 Helfern an der Restaurierung, darunter Jugendliche, die ihre gerichtlich auferlegten gemeinnützigen Arbeitsstunden dort ableisteten. Sein Umgang mit dieser Gruppe hatte klare Regeln. In der Berliner Zeitung sagte er:
„Wir fördern durch Fordern und wir setzen unserer Klientel auch Grenzen.“
Wer in Bockholds Verein mit seinen Vergehen prahlte, durfte das nicht.
Verbaut wurden historische Waschbecken der britischen Militärmission aus Kairo, Baujahr 1905, alte Kacheln und ein Bleiglasgemälde aus dem DDR-Künstlerclub „Die Möwe“. Einen alten Nachttopf, gefunden in dem Zimmer, in dem Enrico Caruso einst übernachtet hatte, ließ Bockhold in den Waschtisch einer Gästetoilette einbauen. „Ich habe ein Problem mit der Wegwerfgesellschaft“, sagte er dazu der Berliner Zeitung.
Die Sanierung kostete rund 1,5 Millionen Euro. Ein Großteil der Arbeit war als gemeinnützige Leistung erbracht worden, was die Kosten für ein Denkmalschutzprojekt dieser Größenordnung vergleichsweise niedrig hielt.
Das Walhalla-Projekt auf einen Blick
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Adresse | Dortustraße 5, Potsdam |
| Baujahr des Gebäudes | 1738 |
| Varieté gegründet | 1910 (Hermann und Auguste Rosenberger) |
| Renovierungsbeginn | März 2001 |
| Sanierungskosten | Rund 1,5 Millionen Euro |
| Belegschaft | Rund 40 Helfer, teils verurteilte Jugendliche |
| Eröffnung | 27. Mai 2006 |
| Träger | Maulwurf gGmbH |
Am 27. Mai 2006 eröffnete das Varieté Walhalla offiziell. Zu den Gästen gehörten Brandenburgs damaliger Finanzminister Rainer Speer und Franz Friedrich Prinz von Preußen. Schauspieler Hans-Uwe Bauer sagte laut den Potsdamer Neuesten Nachrichten, er sei überrascht gewesen, dass jemand in Zeiten von Theaterschließungen den Mut gehabt hatte, ein kleines Spielhaus wiederzueröffnen.
Sigrid Richter war 83 Jahre alt und in dem Haus geboren worden. Ihre Großeltern Hermann und Auguste Rosenberger hatten das Varieté 1910 gegründet. An jenem Abend erzählte sie Bockhold, in welchem Zimmer Caruso einst geschlafen hatte.
Rechtsstreit und Rückzug
Das Walhalla-Projekt brachte Bockhold nicht nur Zuspruch. Ein jahrelanger Rechtsstreit mit Uwe Bläsing, dem früheren Leiter des Maulwurf-Trägervereins NeSo e.V., belastete das Projekt erheblich. Streitpunkt waren Finanzfragen rund um die Sanierung und den Gebäudekauf. Ein Strafprozess gegen Bläsing am Amtsgericht Potsdam endete mit einem Freispruch.
Im Juli 2008 trat Bockhold als Geschäftsführer der Maulwurf gGmbH ab, im gegenseitigen Einverständnis. Die Hotelfachfrau Beate Fernengel übernahm die Leitung. Ab dem 1. September 2008 lief das Haus als Hotel und Restaurant unter neuer Führung weiter, wie der Tagesspiegel berichtete.
Das Aparthotel Walhalla in der Dortustraße 5 ist bis heute in Betrieb. Auf der Website steht, dass das Haus vom Projekt Maulwurf saniert wurde. Bockholds Name erscheint dort nicht.
TEIVA: Was Bockhold heute macht
Nach dem Ende des Walhalla-Kapitels konzentrierte sich Bockhold auf eigene Firmen. Im Handelsregister ist er als Geschäftsführer der TEIVA Film und Projektentwicklungs GmbH eingetragen, außerdem als Mitgeschäftsführer der TEIVA Projektentwicklung, die er gemeinsam mit Nadja Uhl führt, mit einem Stammkapital von 25.000 Euro.
TEIVA macht das, womit Bockhold sich seit seiner Potsdamer Zeit auskennt: Künstlermanagement mit Vertragsverhandlungen, Bauprojektleitung mit Schwerpunkt Denkmalschutz, Hintergrundrecherche für Filmproduktionen und Drehbuchautoren sowie Hausservice für Abriss und Bauvorbereitung. Seine drei unvollendeten Studiengänge finden sich darin alle wieder.
Bockhold und Nadja Uhl: Familie und Leben in Potsdam
Kay Bockhold und die Schauspielerin Nadja Uhl sind seit über zwanzig Jahren zusammen. Geheiratet haben sie nicht. Uhl sagte dazu in einem Interview mit Bunte:
„Es steht keine Hochzeit auf dem Plan. Ich habe kein Verhältnis zum Heiraten.“
Die beiden haben zwei Töchter: Eva Paulina, Jahrgang 2006, und Ida Elena, Jahrgang 2009. Die Schweizer Illustrierte nannte sie im November 2024 als 18 und 15 Jahre alt.
2005 kauften Bockhold und Uhl gemeinsam mit drei Freunden die Villa Gutmann in der Bertinistraße in Potsdam, ein denkmalgeschütztes Anwesen am Jungfernsee, erbaut 1779, mit über 2.600 Quadratmetern Wohnfläche. Der Kaufpreis lag damals bei rund 1,62 Millionen Euro. Das Gebäude war in schlechtem Zustand. Sie bauten es zu einem Mehrgenerationenhaus aus, in dem heute Familienmitglieder, Freunde und beide Großmütter leben. Uhl beschrieb das Konzept gegenüber dem Express so:
„Es ist langfristig das sinnvollste Lebensmodell. Wir konnten bisher so viel voneinander lernen, in allen Höhen und Tiefen.“
Wenn Uhl für Dreharbeiten weg ist, übernimmt Bockhold Haushalt und Kinderbetreuung vollständig. „Mein Mann übernimmt alle Aufgaben, wenn ich drehe“, sagte sie 2019 dem Prisma-Magazin. Als ihren Manager begleitet er ihre Karriere bis heute. 2024 stand Uhl für den Film Alter weißer Mann mit Jan Josef Liefers vor der Kamera.
Was bleibt
Bockhold hat in Potsdam ein Gebäude aus dem 18. Jahrhundert restauriert, das lange als nicht mehr zu retten galt. Öffentlich aufgetreten ist er dabei so gut wie nie. Ob das eine bewusste Entscheidung ist, hat er nie erklärt. Das Gebäude in der Dortustraße 5 steht für sich.
Quellen: Berliner Zeitung, Archiv Juni 2006 | Potsdamer Neueste Nachrichten, Mai 2006 | Tagesspiegel, September 2010 | Aparthotel Walhalla Potsdam | Wikipedia: Nadja Uhl | Schweizer Illustrierte, November 2024 | Prisma, Juli 2019

