Kristen Johnston spricht über Sucht und Tod ihrer Schwester

Am 18. August 2020 schreibt Kristen Johnston einen Satz auf Twitter, der sich seither nicht mehr zurücknehmen lässt. Ihre jüngere Schwester Julie Herschede sei an den Folgen ihrer Sucht gestorben, dazu ein Satz über das schönste Lachen der Welt. Die Emmy-Gewinnerin, in Deutschland vor allem als Sally Solomon aus der Sitcom „Hinterm Mond gleich links“ bekannt, verarbeitet diesen Verlust bis heute in Interviews, ohne dabei einen glatten Schlusspunkt zu setzen.

Johnston, 58, zählt seit den späten Neunzigerjahren zu den bekannten Comedy-Gesichtern des amerikanischen Fernsehens. Neben ihrer Karriere spricht sie seit mehr als einem Jahrzehnt offen über eine eigene Suchterkrankung, die sie in Interviews bis heute in der Gegenwart beschreibt, nicht in der Vergangenheit.



Steckbrief: Kristen Johnston

AngabeInformation
Vollständiger NameKristen Angela Johnston
Geburtsdatum20. September 1967
GeburtsortWashington, D.C., USA
BerufSchauspielerin und Autorin
Bekannt fürSally Solomon in „Hinterm Mond gleich links“
AuszeichnungenZwei Primetime Emmy Awards
AusbildungNew York University, Atlantic Theater Company
Aktuelles Projekt„Leanne“ (Netflix), Staffel 2 im August 2026
Buch„Guts“ (2012), New-York-Times-Bestseller

Eine Krankheit, die Johnston nie in der Vergangenheitsform beschreibt

Vierzehn Jahre nüchtern, das klingt nach einem abgeschlossenen Kapitel. Johnston selbst behandelt es nicht so. Im Podcast „Heart of the Matter“ nannte sie ihre Sucht eine sehr missbräuchliche Beziehung, wie Fox News berichtete.

In den schlimmsten Phasen ihrer Sucht trank sie bis zu zwei Flaschen Wein am Abend und nahm zusätzlich Schmerzmittel. Der eigentliche Wendepunkt kam an einem Silvesterabend in London. Codein war dort damals frei verkäuflich, und sie nahm zu dieser Zeit dreißig bis vierzig Tabletten täglich, nicht mehr wegen der Wirkung, sondern nur noch, um keinen Entzug zu bekommen.

Ihr Körper hielt das nicht mehr aus. Ein Magengeschwür brach durch, sie landete in der Notaufnahme eines Londoner Krankenhauses. Den Ärzten sagte sie an diesem Abend noch nicht, wie hoch ihr tatsächlicher Konsum war, das gestand sie erst einen Monat später, während sie noch im selben Krankenhausbett lag, wie sie gegenüber Today.com schilderte.

Kurz danach ging sie in eine Reha-Klinik in Arizona. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie 2012 im Buch „Guts: The Endless Follies and Tiny Triumphs of a Giant Disaster“, das zum New-York-Times-Bestseller wurde.

Julie Herschede: Die Schwester, die dieselbe Krankheit nicht überlebte

Beide Schwestern durchlebten ihre Suchterkrankungen zur selben Zeit. Als Johnston nüchtern wurde, brach der Kontakt zwischen beiden für längere Zeit ab, eine direkte Folge der Krankheit, die beide teilten.

Die Versöhnung kam über Umwege. Julie las das Buch ihrer Schwester und meldete sich danach wieder, und blieb über Jahre eine der wenigen Personen aus der Familie, die den Weg ihrer Schwester uneingeschränkt mittrug.

Am 18. August 2020 endete diese Geschichte. Julie Herschede starb im Alter von 53 Jahren an den Folgen ihrer eigenen Suchterkrankung, derselben Krankheit, die ihre Schwester Jahre zuvor überlebt hatte.

Vom Theater zum Emmy: Der Werdegang der Schauspielerin

Bevor der Name Kristen Johnston mit Sucht und Verlust verbunden wurde, stand er für eine der lautesten Comedy-Stimmen des amerikanischen Fernsehens. Die Karriere begann am Theater, bei der Atlantic Theater Company in New York, mitgegründet vom Dramatiker David Mamet.

Der Durchbruch kam 1996 mit der Rolle der Sally Solomon in „Hinterm Mond gleich links“, im Original „3rd Rock from the Sun“. Die Serie lief bis 2001, und Johnston gewann dafür zwei Primetime Emmy Awards als beste Nebendarstellerin in einer Comedyserie.

Danach folgten weitere bekannte Rollen:

  • Ivana Humpalot in „Austin Powers: Spion in geheimer Missionarsstellung“ (1999)
  • Ein Gastauftritt in „Sex and the City“ als Lexi Featherston
  • Sechs Episoden in „Emergency Room, Die Notaufnahme“
  • Die Scheidungsanwältin Holly Franklin in „The Exes“ (2011 bis 2015)
  • Tammy Diffendorf in der CBS-Serie „Mom“, von 2018 bis 2021 als feste Serienrolle

2013 kam eine weitere gesundheitliche Diagnose hinzu. Johnston erhielt die Diagnose Lupus myelitis, eine Autoimmunerkrankung, die sie während der Dreharbeiten zu „The Exes“ mehrfach zwang, Drehtage auszusetzen.

Die neue Rolle bei Netflix

Die erste Staffel von „Leanne“, einer Comedyserie mit der Komikerin Leanne Morgan in der Hauptrolle, ist seit Juli 2025 bei Netflix abrufbar und schaffte es direkt in die globalen Top 10 des Streamingdienstes. Johnston spielt darin Carol, die verlässliche Schwester der Hauptfigur, ein Rollenmuster, das angesichts ihrer eigenen Familiengeschichte eine zusätzliche Ebene bekommt.

Netflix verlängerte die Serie bereits wenige Wochen nach dem Start um eine zweite Staffel, wie Variety berichtete. Die Dreharbeiten dazu liefen bis April 2026 in Los Angeles, mit einem erweiterten Cast, darunter Tim Daly und Jayma Mays.

Der Starttermin für Staffel 2 ist laut Netflix Tudum der 27. August 2026. Parallel dazu übernimmt Johnston eine wiederkehrende Rolle als General Martin in der zweiten Staffel der Fox-Serie „Going Dutch“.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange ist Kristen Johnston schon nüchtern?

Johnston bezeichnete sich 2021 öffentlich als seit vierzehn Jahren nüchtern. Zugleich betont sie in Interviews, dass sie ihre Sucht nicht als überwunden, sondern als eine Erkrankung beschreibt, mit der sie dauerhaft lebt.

Wer war Julie Herschede?

Julie Herschede war die jüngere Schwester der Schauspielerin. Ihr Tod im Jahr 2020 ist mit ein Grund, warum Johnston ihre eigene Nüchternheit bis heute nicht als abgeschlossenes Thema behandelt.

Wie heißt „3rd Rock from the Sun“ auf Deutsch?

Die Sitcom, mit der Johnston bekannt wurde, läuft im deutschsprachigen Raum unter dem Titel „Hinterm Mond gleich links“. Für die Rolle der Sally Solomon erhielt sie zwei Emmy Awards.

Wann startet Staffel 2 von „Leanne“?

Staffel 2 startet am 27. August 2026 auf Netflix. Johnston kehrt darin in ihrer Rolle als Carol zurück, die Dreharbeiten waren bereits im April 2026 abgeschlossen.

An welcher Krankheit leidet Kristen Johnston?

Johnston wurde im November 2013 mit Lupus myelitis diagnostiziert, einer Autoimmunerkrankung. Die Diagnose zwang sie während der Dreharbeiten zu „The Exes“ wiederholt zu Drehpausen.

Eine Geschichte ohne endgültigen Schluss

Mit „Guts“ hat die Schauspielerin ein Buch geschrieben, das anderen Menschen mit Suchterkrankung als Orientierung dient. Ihre Organisation SLAM setzt sich seit Jahren für nüchterne Schulangebote für Jugendliche in New York ein.

Am 27. August 2026 kehrt Johnston mit der zweiten Staffel von „Leanne“ auf Netflix zurück, in einem erweiterten Cast mit Tim Daly und Jayma Mays.

Marco Koehler
Marco Koehlerhttps://newzire.de/
Ich bin Marco Koehler, Journalist aus Berlin und Gründer von Newzire. Mein Handwerk habe ich in den Redaktionen mehrerer lokaler und regionaler Verlage gelernt, wo ich rund acht Jahre lang in nahezu jedem Ressort gearbeitet habe, von Kommunalpolitik und Gerichtsberichten über Wirtschaft und Sport bis zu Reportagen über bekannte Persönlichkeiten. Bei Newzire setze ich diese Bandbreite fort: Politik und Wirtschaft, Sport und Tagesaktuelles aus Deutschland und der Welt, dazu Society und Boulevard, Lifestyle, Kultur und die gesellschaftlichen Debatten, die das Land gerade beschäftigen. Die Seite ist am 14. Mai 2026 online gegangen. Ich verantworte sie als Chefredakteur und Hauptautor, unterstützt von einem festen Team aus Redakteurinnen, Redakteuren und Rechercheuren, die Quellen prüfen und Fakten gegenlesen, bevor ein Beitrag erscheint. Mein Grundsatz beim Schreiben ist über die Jahre der gleiche geblieben: erst die Quelle, dann die Geschichte.

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