Olga Sharypova wirft Zverev Gewalt vor: Was die ATP fand

„Meine Unschuld wurde bewiesen“, sagte Alexander Zverev im Juni 2026 der Zeitung L’Équipe, als ein Reporter ihn auf frühere Gewaltvorwürfe ansprach, und beendete das Gespräch kurz danach. Die ATP kam nach einer eigenen, mehr als einjährigen Untersuchung zu einem anderen Ergebnis: Die Vorwürfe, die Olga Sharypova 2020 öffentlich gemacht hatte, ließen sich nicht bestätigen. Ein Strafgericht hat sich mit ihnen nie befasst.



Auf einen Blick

  • Person: Olga Sharypova, 29, Russin, frühere Juniorenspielerin und Fotografin
  • Vorwurf: Nach ihrer Darstellung erlebte sie in der Beziehung mit Alexander Zverev psychische und körperliche Gewalt. Zverev bestreitet das.
  • ATP-Untersuchung: abgeschlossen am 31. Januar 2023, Vorwürfe nicht bestätigt, keine Disziplinarmaßnahme
  • Gerichtlich geprüft wurden die Vorwürfe nie. Sharypova hat nach eigenen Angaben keine Anzeige erstattet.
  • Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Herkunft und frühere Tenniskarriere

Im deutschen Sprachraum taucht der Name auch als Scharypowa oder Scharipowa auf, in englischsprachigen Berichten meist als Olya. Sharypova ist Russin und laut ITF-Profil 29 Jahre alt. Als Jugendliche spielte sie Juniorenturniere und trainierte bei Marina Marenko, der Mutter des Tennisprofis Andrej Rublev. Einen Durchbruch schaffte sie nicht, und ein WTA-Ranking führt sie bis heute nicht. Sie studierte Journalismus und arbeitete nach Berichten aus dem Jahr 2020 als Fotografin. Zverev kennt sie seit der Jugend. Ab September 2018 waren beide nach ihrer Darstellung ein Paar, nach übereinstimmenden Medienberichten rund 13 Monate lang.

Zeitleiste: die wichtigsten Stationen

  • Ende Oktober 2020: Sharypova äußert sich auf Instagram und im russischen Portal Championat. Zverev weist die Vorwürfe auf Instagram zurück.
  • 5. November 2020: Das Magazin Racquet veröffentlicht ein ausführliches Interview mit ihr.
  • August 2021: Slate bringt einen weiteren Bericht. Zverev erwirkt eine einstweilige Verfügung gegen Autor und Verlag.
  • 4. Oktober 2021: Die ATP kündigt eine eigene Untersuchung an.
  • 31. Januar 2023: Die ATP schließt sie ab, ohne Disziplinarmaßnahme.
  • Juni 2024: Das getrennte Verfahren im Fall Patea endet vor dem Amtsgericht Tiergarten mit einer Einstellung gegen Geldzahlung.
  • 26. Januar 2025: Bei der Siegerehrung der Australian Open ruft eine Zuschauerin ihren Namen.
  • 9. Juni 2026: Zverev bricht das Gespräch mit L’Équipe ab.
  • 13. September 2026: Zverev gewinnt die US Open. In der Übertragung kommen die Vorwürfe erneut zur Sprache.

Was die ATP-Untersuchung ergeben hat

Die ATP beauftragte im Oktober 2021 ein externes Unternehmen, die Lake Forest Group aus Illinois, mit der Untersuchung der Vorwürfe. In den folgenden 15 Monaten befragten die Ermittler Sharypova, Zverev und 24 weitere Personen und werteten Nachrichten, Tonaufnahmen und Fotos beider Seiten aus, dazu Daten von Zverevs eigenen Geräten, die ein Forensiker mit seinem Einverständnis ausgelesen hatte. Am 31. Januar 2023 kam die ATP zu ihrem Ergebnis: Die Vorwürfe ließen sich nicht bestätigen, als Gründe nannte sie fehlende verlässliche Beweise und Augenzeugen sowie widersprüchliche Aussagen. Eine Disziplinarmaßnahme folgte nicht, doch behielt sich die ATP vor, den Fall bei neuen Beweisen neu aufzurollen. Als Sportverband ohne gerichtliche Befugnisse lieferte sie damit weder einen Freispruch noch ein Urteil.

Aussage gegen Dokument

AussageWas dokumentiert ist
Zverev sagte L’Équipe im Juni 2026, seine Unschuld sei bewiesen.Die ATP-Mitteilung spricht von nicht bestätigten Vorwürfen, nicht von einem Beweis der Unschuld.
Die Kommentatorin Mary Carillo nannte die Begriffe „bewiesen“ und „entlastet“ im US-Open-Finale nach Angaben der New York Post unzutreffend.Die ATP-Mitteilung enthält weder eine Entlastung noch eine Bestätigung der Vorwürfe.

Rechtlicher Rahmen

Zverevs Anwälte gehen seit Jahren gegen Berichterstattung vor. 2021 erwirkte er in Deutschland eine einstweilige Verfügung gegen Autor und Verlag des Slate-Berichts, gegen Sharypova selbst wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur AP nichts eingeleitet. Die ursprünglichen Texte von Racquet und Slate sind in der EU inzwischen nicht mehr abrufbar, wie das Medienmagazin Übermedien berichtet. Zverev geht zusätzlich gegen den Autor Ben Rothenberg persönlich vor, dieses Verfahren lief zuletzt im Mai 2025 vor dem Landgericht Berlin. Ein Ergebnis hat bislang keine verlässliche Quelle gemeldet.

Nicht zu verwechseln: der Fall Patea

Brenda Patea ist die Mutter von Zverevs Tochter, ihre Vorwürfe verhandelte das Amtsgericht Tiergarten in einem eigenen Verfahren. Nach einem Strafbefehl über 450.000 Euro im Oktober 2023 endete der Fall im Juni 2024 ohne Urteil. Zverev zahlte 200.000 Euro, davon 150.000 an die Staatskasse und 50.000 an eine gemeinnützige Einrichtung, und ein Schuldeingeständnis ist damit nicht verbunden.

Was heute über Sharypova bekannt ist

Ihre bislang letzte belastbar dokumentierte Äußerung stammt aus dem Jahr 2021. Sie löschte ihren ursprünglichen Beitrag später und stellte ihr Instagram-Konto auf privat, und sie schilderte damals, durch ihre öffentlichen Aussagen berufliche Möglichkeiten verloren zu haben. Eine Reaktion von ihr auf das ATP-Ergebnis von 2023 ist nicht überliefert, Angaben zu ihrem heutigen Wohnort oder Arbeitgeber fehlen in diesem Text bewusst. Vorsicht ist bei Seiten geboten, die ihr ein Geburtsdatum und einen Todestag im Jahr 2020 zuschreiben. Beide Angaben sind erfunden, sie gab noch 2021 ausführliche Interviews, und die ITF führt sie aktuell mit 29 Jahren.

Offener Stand

Zverev bestreitet die Vorwürfe von Sharypova und beruft sich auf das ATP-Ergebnis. Sie selbst hat ihre Darstellung nie öffentlich zurückgezogen. Die ATP kann den Fall neu aufrollen, wenn neue Beweise vorliegen, und das Verfahren gegen Rothenberg ist weiterhin nicht entschieden.

Häufige Fragen

Was hat die ATP entschieden?

Sie konnte die Vorwürfe nach einer eigenen Untersuchung nicht bestätigen und verhängte keine Disziplinarmaßnahme.

Gab es ein Gerichtsurteil zu den Vorwürfen?

Nein. Sharypova erstattete nach eigenen Angaben keine Anzeige, ein Strafverfahren gab es nicht.

Wie schreibt man den Namen?

Sharypova ist die englische Schreibweise, im Deutschen sind auch Scharypowa und Scharipowa gebräuchlich.

Ist der Fall Patea derselbe Vorgang?

Nein. Brenda Patea ist eine andere Frau, ihr Fall verhandelte das Amtsgericht Tiergarten getrennt.

Marco Koehler
Marco Koehlerhttps://newzire.de/
Ich bin Marco Koehler, Journalist aus Berlin und Gründer von Newzire. Mein Handwerk habe ich in den Redaktionen mehrerer lokaler und regionaler Verlage gelernt, wo ich rund acht Jahre lang in nahezu jedem Ressort gearbeitet habe, von Kommunalpolitik und Gerichtsberichten über Wirtschaft und Sport bis zu Reportagen über bekannte Persönlichkeiten. Bei Newzire setze ich diese Bandbreite fort: Politik und Wirtschaft, Sport und Tagesaktuelles aus Deutschland und der Welt, dazu Society und Boulevard, Lifestyle, Kultur und die gesellschaftlichen Debatten, die das Land gerade beschäftigen. Die Seite ist am 14. Mai 2026 online gegangen. Ich verantworte sie als Chefredakteur und Hauptautor, unterstützt von einem festen Team aus Redakteurinnen, Redakteuren und Rechercheuren, die Quellen prüfen und Fakten gegenlesen, bevor ein Beitrag erscheint. Mein Grundsatz beim Schreiben ist über die Jahre der gleiche geblieben: erst die Quelle, dann die Geschichte.

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